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Steuern

Steuern und Abgaben – die Last der Unternehmer und Buchhalter

Natürlich stöhnt jeder Bürger über die drückende Last der Steuern und Abgaben. Nur hat der Privatmensch selten den Überblick über alle Steuern, die er zahlt, noch den Aufwand, diese Steuern säuberlich zu verbuchen. Was der Staat dem Buchhalter durch ein umfängliches Steuersystem an zusätzlichem Vergnügen verschafft, ist erstklassig. Zu unterscheiden sind zunächst einmal

  • Aktivierungspflichtige Steuern
  • Das sind Steuern, die mit dem jeweiligen Wirtschaftsgut zu aktivieren sind, zum Beispiel: Grunderwerbsteuer (Kauf eines Grundstücks für 350.000 € + 3,5 % Grunderwerbsteuer = 362.250 €). Oder Vorsteuern bei umsatzsteuerfreien Umsätzen (Kreditinstitut kauft eine Büroausstattung – 50.000 € + 19 % USt = 59.500 €). Oder Verbrauchsteuer, z. B. Tabak- und Mineralölsteuer, die mit den entsprechenden Vorratsbeständen aktiviert wird. Oder bei Einfuhr der Zoll – Zölle gehören zu den Anschaffungsnebenkosten. Aber Achtung: Die Einfuhrumsatzsteuer zählt nicht zu den Zöllen, sondern zur Umsatzsteuer!

  • Aufwandssteuern
  • Alle Steuerarten, die für das Unternehmen Aufwand darstellen und deshalb Gewinn mindernd gebucht werden können. Dazu zählen

    • Gewerbesteuer
    • Grundsteuer
    • KFZ-Steuer
    • Verbrauchssteuern (Mineralölsteuer, Tabaksteuer, Sektsteuer etc.)
    • Lohnsteuer
    • sonstige Betriebssteuern und Abgaben

    Steht am Jahresende fest, dass höhere Steuern zu zahlen sind als bisher festgelegt, dann muss eine Steuerrückstellung gebildet werden.

  • Personensteuern
  • Das sind die Einkommenssteuer und die Körperschaftsteuer bei Kapitalgesellschaften. Letztere wird zwar zunächst als Steueraufwand erfasst, dann aber außerhalb der Bilanz in der Ermittlung des zu versteuernden Gewinns dem Handelsbilanzgewinn wieder zugerechnet. Denn als Grundsatz gilt: Personensteuern dürfen den Gewinn nicht mindern.

    Mehrumsatzvorsteuer – Was denn nun?

    Große Verwirrung herrscht bei vielen Menschen, wenn Begriffe wie Umsatzsteuer, Mehrwertsteuer oder Vorsteuer ins Spiel kommen. Dabei ist die Sache doch ganz einfach:

    Mehrwertsteuer
    Dieser Begriff ist eigentlich tabu. Für Verbraucher (und damit auch für verbrauchende Unternehmen) kennzeichnet er jedoch landauf, landab den Steueranteil am Bruttoerwerbspreis eines Artikels. Im Verhältnis Unternehmen zu Verbraucher (Privatperson oder Unternehmen) ist stets die gesetzlich vorgeschriebene Mehrwertsteuer auf der Rechnung ausgewiesen. Die Finanzbehörden akzeptieren das, die Politiker sprechen nur von der Mehrwertsteuer, obwohl in den einschlägigen Gesetzen dieser Begriff nie auftaucht.

    Umsatzsteuer
    Die Umsatzsteuer ist eine Steuer, die von jedem Unternehmer anhand des Umsatzes bei erbrachten Leistungen an die Finanzbehörde im Inland abzuführen ist. Sie ist eine indirekte Steuer, weil Steuerschuldner (Zahlungsverpflichteter) und Steuerpflichtiger (wirtschaftlich Belasteter) nicht identisch sind. Besteuert werden Lieferungen und sonstige Leistungen gegen Entgelt. Die Umsatzsteuer ist für Unternehmer insofern eine echte Mehrwertsteuer, als sie im wirtschaftlichen Ergebnis nur den Unterschied zwischen Umsatz und den durch andere Unternehmer an ihn bewirkten Umsatz (Vorleistungen) besteuert. Dieses Steuersystem wird auch als „Allphasen-Nettosystem mit Vorsteuerabzug“ bezeichnet.

    Vorsteuer
    Vorsteuer ist die Umsatzsteuer, die ein Unternehmen auf die Entgelte für Lieferungen und Leistungen an andere Unternehmer zahlt. Es kann diese Vorsteuer in der Umsatzsteuer-Voranmeldung in Abzug bringen.

    Wie das Umsatzsteuersystem funktioniert, verdeutlicht folgendes Beispiel:

    • Der Verbraucher (V) zahlt 100,00 € für die Ware an den Einzelhändler (E).
    • E hat die darin enthaltene USt von 15,97 € an das Finanzamt abzuführen.
    • E seinerseits hat 75,00 € für die Ware an den Großhändler (G) gezahlt.
    • Die darin enthaltene Umsatzsteuer von 11,97 € kann er als Vorsteuer von der an das Finanzamt abzuführenden USt abziehen. Es bleibt also lediglich eine Zahllast von 4,00 €.

    Damit ist klar, dass der Endverbraucher im Gegensatz zum Unternehmer die gesamte Steuerlast wirtschaftlich trägt, da er die Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer geltend machen kann. Was der Unternehmer, vor allem aber sein Buchhalter leidvoll trägt, ist die Menge an Vorschriften und Sonderregelungen bei der Deklaration der Umsatzsteuer – von der Umsatzsteuerbefreiung für Kleinunternehmer bis zur Fülle unterschiedlicher Umsatzsteuersätze.

    Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Umsatzsteuer kostenneutral und deren Höhe absolut nebensächlich. Weil die jeweils vereinnahmte Umsatzsteuer mit der zuvor gezahlten Vorsteuer gegenüber der Finanzbehörde verrechnet werden kann, stellt sie nur einen durchlaufenden Posten dar.

    Alle Vorschriften in Gesetzesform finden Sie auf den Seiten des Bundesministeriums der Justiz, Umsatzsteuergesetz von 1980 in der reformierten Fassung von 2005 unter

    http://bundesrecht.juris.de/ustg_1980/index.html

     

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