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Kuriose Steuern

Verdeckte Steuern heute

Seit mindestens 5.000 Jahren werden Steuern erhoben. Das System der Steuererhebung hat sich immer weiter entwickelt. Und der Kreativität der "Steuereinnehmer" scheinen dabei keine Grenzen gesetzt.

Von Einkommens-, Mehrweg-, Kraftfahrzeug-, Tabak- oder Hundesteuer haben die meisten schon gehört. Wenn Benzin wieder einmal teurer wird, gerät auch die Mineralölsteuer in die Schlagzeilen. Die wenigsten dagegen sind sich der zahlreichen verdeckten Steuern bewusst. Denn egal ob auf Bier, Kaffee, Vergnügen oder Lotteriespiel - viele Belastungen merkt der Steuerzahler nicht.

Frei nach dem Motto «Not macht erfinderisch!» machen Haushaltspolitiker auch vor kuriosen Steuerplänen nicht halt: Die Vorschläge reichen von der SMS-Steuer in Italien über eine Schönheits-OP-Steuer in den USA bis hin zu einer Fast-Food-Steuer in Deutschland. Letztere fiel nur durch, weil das Finanzministerium nicht wusste, wie es ungesunde Lebensmittel gesetzlich definieren und mit Steuersätzen belegen sollte.

Ein paar Beispiele kreativer und höchst verdeckter Steuerabschöpfung hier:

Kaffeesteuer
Kaffeetrinker machen dem Finanzminister eine Freude: Pro Pfund Röstkaffee fallen etwa 1,10 Euro Steuern bzw. 2,40 Euro bei löslichem Kaffee an. Dank der nur noch in Deutschland erhobenen Kaffeesteuer klingelt im Staatshaushalt jährlich rund eine Milliarde Euro mehr.

Biersteuer
Eine der ältesten Abgaben auf Verbrauchsgüter ist die Biersteuer. Bereits im Mittelalter wurde sie unter Namen wie Bierziese, Bierpfennig, Trankgeld oder Malzaufschlag erhoben. Der Finanzminister freut sich heute jährlich über rund 800 Millionen Euro vom Bier trinkenden Volk.

Schaumweinsteuer
Bereits 1902 wurde unter Kaiser Wilhelm II. eine Sektsteuer zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte beschlossen. Diese Abgabe lebt als Schaumweinsteuer weiter, in ihrer jetzigen Form seit 1952. Pro Flasche Sekt geht etwa ein Euro an den Fiskus. Versteuert werden aber auch Champagner, Prosecco, Sherry oder Portwein. Unterm Strich kommen so jährlich etwa 450 Millionen Euro zusammen.

Branntweinsteuer
Die Höhe der Steuer variiert mit dem Alkoholgehalt: Von gut zwei Euro für eine Flasche Likör bis zu drei Euro für eine Flasche Korn. Insgesamt nimmt der Staat dank der Branntweinsteuer gut zwei Milliarden Euro jährlich ein.

Vergnügungssteuern: Kino, Tanz und Glücksspiel
Der Steuer für das Vergnügen unterliegen vor allem öffentliche Tanzveranstaltungen, Filmvorführungen sowie der Betrieb von Spielautomaten, Billardtischen oder Kegelbahnen. Ihre Ursprünge hat diese Steuerform im Mittelalter. Durch sie sollte ehemals das Armenwesen finanziert werden. Heute liegt das jährliche Aufkommen der Vergnügungssteuer bei etwa 500 Millionen Euro.

Wett- und Lotteriesteuern
Eine weitere Form der Vergnügungssteuern sind die Rennwett-, Lotterie- und Sportwettsteuern. 20 Prozent von jedem Lottoeinsatz und 16 Prozent bei Sport- und Pferdewetten werden als Steuern kassiert.

Wasserpfennig
Der Wasserpfennig (korrekt: Wasserentnahmeentgelt) bezeichnet das in einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen erhobene Entgelt für die Entnahme von Grundwasser und Oberflächenwasser. Mit den Einnahmen sollen unter anderem Bauern dafür entschädigt werden, dass sie nur sparsam düngen und so das Grundwasser vor Verunreinigungen schützen.

Kuriose Steuern aus der Geschichte

Ungewöhnliche Steuern sind keine Modeerscheinung. Aus der Steuergeschichte sind viele Methoden überliefert, wie Bürger und Untertanen zur Kasse gebeten wurden. Als besonders erfinderisch erwies sich Zar Iwan der Schreckliche in Russland: Steuern auf die Beförderung von Beamten, Flintengelder, Salpetergelder, Festungsgelder, Schützensteuer sind nur einige der Abgabenerfindungen. Auch sein großer Nachfolger, Peter der Große, war in Sachen Steuern nicht faul: Luxussteuern auf Mützen und Stiefel, auf Bäder und Eichensärge, Verbrauchssteuern auf Gurken und Nüsse, Steuern auf Bienen sind nur einige Beispiele seiner Methode der Staatsfinanzierung.

Im Zeitalter des Absolutismus mit seinen prunksüchtigen Landesfürsten blühte das Abgabensystem: Fenster-, Türen- und Kaminsteuern, Perücken-, Haarpuder-, Strumpf-, Stiefel- und Hutsteuern. Besonders die Fenstersteuer hat in Europa Kreise gezogen. In ihrer Folge sind noch heute in den Niederlanden Gardinen out. In England wurden aufgrund dieser Steuer Mietskasernen im Beginn der Industrialisierung nahezu fensterlos gebaut. Das führte dort zu elenden Wohnverhältnissen und zur Abschaffung der Steuer Mitte des 19. Jahrhunderts.

Ein Stein des Anstoßes waren in Deutschland die Steuerprivilegien des Adels. Sie wurden erst von dem preußischen Finanzminister Miquel mit der Einführung der Einkommensteuer 1891-1893 beseitigt. Der Spitzensteuersatz betrug daraufhin 4%!

Doch zurück zu den kuriosen Steuern der Geschichte - ein paar aus der weiteren und näheren Vergangenheit verdienen es, ans Licht gebracht zu werden:

Nilometer
Zu Zeiten der Pharaonen wurde mit einem «Nilometer» die Höhe der jährlichen Nil-Überschwemmungen gemessen. Dabei galt: Je höher die Überschwemmung, umso besser die Ernte - und umso höher eben auch die Erntesteuer.

Bartsteuer
Die wurde vom russischen Zaren Peter dem Großen (1682 bis 1725) eingeführt. Seinerzeit sollten Rechtgläubige vom Tragen des Rauschebarts als Zeichen Ihrer Gläubigkeit abgebracht werden. Bärtigen, die keine Steuermarke aus Kupfer trugen, drohte die öffentliche Rasur.

Spatzensteuer
18. Jahrhundert in Baden-Württemberg: Um das Saatgut auf seinen Feldern zu schützen, musste jeder Untertan des Herzogs Karl Eugen von Württemberg jährlich zwölf Spatzen abliefern - und zwar lebend. Andernfalls drohte eine Geldbuße von zwölf Kreuzern.

Jungfernsteuer
Junge Mädchen in Berlin mussten zu Beginn des 18. Jahrhunderts bis zu ihrer Heirat pro Monat zwei Groschen an das Staatssäckel abführen.

Notopfer Berlin
Nach der Blockade Berlins durch die sowjetische Besatzungsmacht 1948 musste die Stadt durch eine kostspielige Luftbrücke versorgt werden. Zur ihrer Finanzierung wurde im November 1948 das so genannte «Notopfer Berlin» eingeführt. Es bestand aus einer Einkommens-Sondersteuer von maximal vier Prozent und einer Briefmarkensteuer von zwei Pfennig je Postsendung. Ursprünglich auf drei Monate befristet, wurde sie mehrmals verlängert und schließlich in drei Etappen bis Ende 1957 abgebaut.

Teesteuer
Wie beim Kaffee weckte auch der steigende Teekonsum seit dem 17. und 18. Jahrhundert Begehrlichkeiten beim Fiskus. Seit 1950 gab es in Deutschland dann eine einheitliche Teesteuer, gedacht als Ergänzung zur Kaffeesteuer. Doch aufgrund ihres geringen Aufkommens (1992: 59 Millionen DM) wurde die Teesteuer 1993 abgeschafft.

Speiseeissteuer
Aus fiskalischer Verzweiflung geboren: 1930 wurde die Steuer auf Eis als eine Notverordnung des Reichspräsidenten in Kraft gesetzt. Das Reich ging, die Steuer blieb. Noch bis 1971 wurde diese Unterart der Getränkesteuer in Deutschland erhoben. Durchschnittlich betrug der Steuersatz für zum sofortigen Verzehr bestimmtes Speiseeis zehn Prozent des Verkaufspreises.

Spielkartensteuer
Bei der Erschließung neuer Einnahmen weckten Spielkarten bereits im Mittelalter das Besteuerungsinteresse der Adligen. 1919 wurde diese Steuer offiziell zur Verbrauchsteuer erklärt. Wegen ihres geringen Ertrags wurde die Spielkartensteuer später aber wieder abgeschafft - in Deutschland allerdings erst 1981.

Leuchtmittelsteuer
Bereits im Mittelalter gab es Abgaben auf Kerzenwachs (Wachszins, Wachszehnt), in der Barockzeit dann Luxussteuern auf Kerzen. Mit dem Aufkommen von Glühlampen kamen findige Politiker auf die Idee, auch hierfür eine Steuer zu erheben. In Deutschland geschah das 1909 als Reichssteuer, ab 1949 dann als Bundessteuer. 1993 wurde die Leuchtmittelsteuer als Bagatellsteuer abgeschafft (Aufkommen 1992: 200 Millionen DM).

Zündwarensteuer
Nach ihrer Einführung in Frankreich und Russland wurde die Steuer auf Zündhölzer und -späne ab 1909 auch in Deutschland erhoben. 1919 wurde die Abgabe auf Feuerzeuge und Feuersteine ausgeweitet, dafür jedoch bereits 1923 wieder fallen gelassen. Die Zündwarensteuer wurde dagegen erst 1981 wegen zu geringer Einnahmen als Bagatellsteuer abgeschafft.

Zuckersteuer
Die Ursprünge der Zuckersteuer reichen bis zum Zuckerzoll auf Kolonialzucker (Rohrzucker) im 16. Jahrhundert zurück. Nach Entdeckung der Runkelrübe und der daraus möglichen industriellen Zuckergewinnung im 18. Jahrhundert wurde schließlich eine Zuckersteuer eingeführt - in Deutschland erstmals 1841. Seit 1949 Bundessteuer, wurde die Zuckersteuer im Rahmen der EU-Harmonisierung 1993 abgeschafft (Aufkommen 1992: 183 Millionen DM).

Süßstoffsteuer
Als Ausgleichs- und Folgesteuer der Zuckersteuer wurde 1922 auch eine Süßstoffsteuer eingeführt. Doch bereits 1965 wurde sie wegen ihres geringen Aufkommens (Am Ende etwa zwei Millionen DM jährlich) wieder abgeschafft.

Essigsäuresteuer
Die Verbrauchsabgabe auf Essigsäure wurde 1909 eingeführt, angeblich um landwirtschaftlich erzeugten Gärungsessig vor industriell gefertigter Essigsäure zu schützen. Nach mehreren Korrekturen ging die ehemalige Reichssteuer 1949 auf den Bund über. 1981 wurde die Essigsäuresteuer aus Gründen der Steuervereinfachung und wegen ihres geringen Ertrages als Bagatellsteuer abgeschafft.

Fahrradsteuer
Nachdem die Fahrradsteuer erstmalig 1893 in Frankreich erhoben worden war, wurde sie 1899 auch in Deutschland eingeführt, zuerst in Bremen und dem Großherzogtum Hessen. Besteuert wurde der Besitz von Fahrrädern und dann auch von Motorrädern und Automobilen. An ihre Stelle trat später die Kraftfahrzeugsteuer, die jedoch nicht mehr auf Fahrräder angewendet wird.

Zur Geschichte der Steuern hierzulande gibt es sogar ein Steuermuseum - in Bonn. Näheres dazu und einen Museumsführer finden Sie unter

www.bundesfinanzakademie.de