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Geschichte

Die Geschichte der Buchführung ist lang. Heute gültige Prinzipien haben sich teilweise schon vor Jahrhunderten entwickelt. Bestimmt war die Ausübung der Buchführung immer durch kirchliche und staatliche Zwänge der Besteuerung, ab dem späten Mittelalter dann auch durch den Wunsch nach mehr Überblick in stark verschachtelten und auch damals schon multinationalen Unternehmungen. Herausragendes deutsches Beispiel gibt die Kaufmannsfamilie Fugger aus Augsburg.

Von Anfang an

10000 v. Chr.

Steinzeitliche "Zahlensteine" in den Pyrenäen, gefunden in der Höhle Mas dÁzil.

9000 v. Chr.

Aus dieser Zeit wurden erste Ansätze zur Aufzeichnung wirtschaftlicher Vorgänge in Mesopotamien gefunden.

3500 v. Chr.

Die Sumerer nehmen Abrechnungen in der sich entwickelnden Keilschrift auf Tontafeln vor. Gefunden wurden Abrechnungen für Brot und Bier.

3000 v. Chr.

In Ägypten und Babylonien erste Darstellungen von Soll und Haben auf Papyrusrollen.

2000 v. Chr.

In Indien werden Loseblatt-Buchführungen auf präparierten Palmblättern erstellt.

500-400 v. Chr.

Aufzeichnungen aus Griechenland erwähnen etwa 30 Logisthai, die Schlussrechnungen der Kassenbuchhalter des Attischen Seebundes übernahmen und den "Zehnten" für die Göttin Athena ermittelten.

400-300 v. Chr.

Im Römischen Reich wird als Ausgangspunkt zur Steuereinschätzung und zur militärischen Musterung der Census angewendet - jeder Mündige muss über seine Familien- und Vermögensverhältnisse eine Erklärung unter Eid abgeben. Klassisches Recheninstrument der Römer ist der Abakus, den es als Großrechner in Rom, aber auch als "Taschenrechner-Ausgabe" in den entfernteren Provinzen gibt.

585

In der Folge des Synodalgebots von Macon wird es notwendig, kirchliche Zehntabgaben zu erfassen und zu verrechnen. In den diözesanischen Vermögensverwaltungen wird Zug um Zug eine geregelte Rechnungslegung eingeführt. Diese wird in den folgenden Jahrhunderten kunstvoll weiter entwickelt - über das planvolle Fingerrechnen des Benediktiners Beda um 700 bis zur Weg weisenden Buchhaltungslehre des Franziskaners Pacioli aus dem Jahr 1494.

795

Verordnung Karls des Großen über die Krongüter und Reichshöfe. Vorgeschrieben wurde ein umfassender Jahresschlussbericht mit wohlgeordneter Vermögensaufstellung. Dafür legte die königliche Kanzlei Musterformulare an, die nach kirchlichen Vorbildern gestaltet waren.

Um 1180

Das älteste erhaltene Kaufmannsdokument nördlich der Alpen stammt aus Lübeck. Ein Tuchhändler hielt in einfachster Form ungefähr 160 Geschäftsvorfälle auf einer Pergamentrolle fest.

1200-1300

Im römischen und griechischen Kulturkreis wird die Buchführung um die Kontokorrentrechnung erweitert - Forderungen und Verbindlichkeiten werden aufgezeichnet. Mitte des Jahrhunderts sind in Genua zwei städtische "Oberkontierer" nachweisbar, die Einzelkonten anlegten.

1340

Aus dieser Zeit liegen Hauptbücher der Stadt Genua vor, die zum ersten Mal eindeutig eine doppelte Buchführung aufweisen. Einnahmen und Ausgaben der Regierung sind nach Debitoren mit Steuern, Anleihen und Strafen gegliedert. Auch in Lübeck wurde 1340 der doppelte Buchungssatz mit Aufstellung bilanzähnlicher Übersichten eingeführt.

1400-1500

Seit 1426 sind Warenkonten mit Warenbestandserfassung und Erfassung der Warenverkäufe belegt. 1494 verfasst der venezianische Mönch Luca Pacioli ein Lehrbuch, in dem er die Venezianische Methode der Buchführung darlegt. Ihre Prinzipien sind dem Wesen nach unverändert gültig.

1500-1600

Aus dem Jahr 1511 ist von den Fuggern eine erste Bilanz überliefert. Der in Italien ausgebildete Hauptbuchhalter der Fugger, Matthäus Schwarz, entwickelte aus der italienischen die "teutsche" Buchhaltung. In ihr wurde das Hauptbuch in ein Personenkonten- oder Schuldbuch und ein Sachkontenbuch oder Capus aufgeteilt. Dazu kam ein "Unkostenbüchlein" für Spesen, Verbrauchssteuern usw. und ein "Geheimbuch" des Prinzipals, das neben internen Berechnungen der Steuern vor allem der Gewinn- und Verlustrechnung diente. In der Fuggerbilanz von 1527 fällt auf, dass alle Mobilien und zweifelhaften Debitoren fehlen, obwohl sie im Inventar vollständig gelistet sind. Aus der damaligen Steuerordnung Augsburgs lässt sich folgern, dass die Fugger eine ausgesprochene "Steuerbilanz" mit der Tendenz zur Unterbewertung erstellt haben.

Überall in Europa erscheinen im 16. Jahrhundert Werke zum Rechnungswesen. Sie enthalten unter anderem Konzepte für Guthabenposten, Schuldposten und Erträge.

1600-1700

Allmählich entwickelt sich ein System der Periodenrechnung mit regelmäßigem Bücherabschluss. Wareneingangs-, Warenausgangs-, Kassenbücher und Journale werden geführt.

1723

Bei der obersten Finanzbehörde Brandenburg-Preußens wird eine statistische Abteilung eingeführt, die Vergleichszahlen aus den Steuerregistern der untergeordneten Finanzbehörden schöpft.

1794

Preußen führt die erste gesetzliche Bilanzierungspflicht ein.

1800-1900

Mit Beginn des Industriezeitalters werden Anlagekonten und Betriebsbuchführung systematisch ausgebaut. Eine Geschäftsbücher-Industrie entsteht, die Durchschreibetechnik setzt sich nach Patentierung des Pauspapiers durch. Serienmäßige Rechen- und Schreibgeräte wurden gefertigt.

In Deutschland wurde die Buchführung wesentlich durch die Vorschriften des Handelsgesetzbuchs von 1861, Neufassung 1897, geregelt. Die gewachsenen Grundsätze der Bilanzierung wurden in der Aktiennovelle von 1884 verschärft.

1890

Grundstein für die weltweite Automatisierung des Rechnungswesens: Der Deutsch-Amerikaner Hermann Hollerith entwickelt das Lochkarten-System.

1891/1893

Die Miquelsche Steuerreform bringt die progressive Einkommenssteuer. Die jährliche Steuererklärung wird an den kaufmännischen Jahresabschluss bzw. die Handelsbilanz gekoppelt.

1919

Die Reichsabgabenverordnung unterstellt die handelsrechtlichen Buchführungs- und Bilanzierungsbestimmungen für Vollkaufleute der Aufsicht der Steuerverwaltung. Ergänzende Soll- und Muss-Vorschriften für sonstige Gewerbetreibende, Landwirte und freie Berufe werden eingeführt. Die Folge ist der generalstabsmäßige Aufbau der Betriebsprüfungen.

1933

Erstes Berufsgesetz für Steuerberater.

1937

Der Grunderlass "betreffend Grundsätze für Buchhaltungsrichtlinien" leitet den einheitlichen Aufbau der heutigen vier Hauptzweige des Rechnungswesens ein: Buchhaltung und Bilanz = Finanzbuchhaltung (Zeitrechnung); Kostenrechnung = Betriebsbuchhaltung (Zeit- und Stückrechnung; betriebswirtschaftliche Statistik (Vergleichsrechnung); Planungsrechnung (Vorschaurechnung).

1951/52

In der Bundesrepublik wird das Ordnungskonzept des Rechnungswesens von 1937 durch die "Grundsätze und Gemeinschaftsrichtlinien" und den "Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie" des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ersetzt.

1964

Erste Computer-Familie für das Rechnungswesen: das IBM-System 360 mit einer Mikroschalttechnik.

1971

Neuer "Industrie-Kontenrahmen", der zu einer Präzisierung, Vereinfachung und internationalen Harmonisierung des Rechnungswesens beiträgt.

Weitere Details zur Geschichte der Buchhaltung finden Sie zum Beispiel im Internet unter

www.juergenkeitel.homepage.t-online.de

Zur kritischen Betrachtung der Geschichte und Funktion der Betriebsprüfungen finden Sie Anmerkungen von Reinhard Strangmeier unter

www.oekonomik.net